{"id":816,"date":"2012-05-03T10:56:57","date_gmt":"2012-05-03T08:56:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.wernerdobelmannarchiv.de\/2012\/05\/03\/ein-bauernsohn-wird-heuermann-text\/"},"modified":"2012-05-03T10:56:57","modified_gmt":"2012-05-03T08:56:57","slug":"ein-bauernsohn-wird-heuermann-text","status":"publish","type":"page","link":"http:\/\/www.wernerdobelmannarchiv.de\/index.php\/ein-bauernsohn-wird-heuermann-text\/","title":{"rendered":"Ein Bauernsohn wird Heuermann, Text"},"content":{"rendered":"<h1 style=\"text-align: center;\">Ein Bauernsohn wird Heuermann<\/h1>\n<p>Die Bauerschaft Bokel ist wahrscheinlich in nachfr\u00e4nkischer Zeit (nach 800) entstanden. Wie \u00fcberall, sind auch hier die neun Vollerben als \u00e4lteste Siedelst\u00e4tten anzusehen. Unter ihnen befindet sich der Hof Dobbelhoff.<br \/>Der Name dieses Hofes ist abzuleiten von W\u00fcrfeln, jenen aus Knochen oder Stein hergestellten geometrischen K\u00f6rpern, die der Aus\u00fcbung eines uralten Gl\u00fccksspiels dienen. Diese W\u00fcrfel wurden in unserer Heimat als \u00bbDobbelsteine\u00ab, das W\u00fcrfeln selbst als \u00bbDobbeln\u00ab bezeichnet. Der Ausdruck findet sich bereits im Satebrief der Quakenbr\u00fccker Burgmannschaft von 1422, in dem es u. a. hei\u00dft: \u00bbUmme dobelen zahl nyman den anderen bynnen Quakenbrugghe bekummern oft spannen\u00ab (d. h. wegen W\u00fcrfelspiels soll in Quakenbr\u00fcck niemand verklagt oder in den Block gespannt werden). <br \/>In einer Urkunde aus Suttrup vom Jahre 1781 wird das w\u00fcrfelf\u00f6rmige Muster eines Leinentuches als \u00bbDobbelstein\u00ab bezeichnet, und noch heute wird in Holland der W\u00fcrfel mit diesem Ausdruck belegt. Auf dem Hofe zu W\u00e4hde in Dalvers befinden sich Dobbelsteine als Wappen in der steinernen Einfassung des Hofbrunnens, eine Erinnerung an die Zeit (1724), als Johann Wichard Dobelmann aus Renslage auf den Hof zu W\u00e4hde heiratete.<br \/>Vermutlich ist der Ursprung des Namens in Bokel darauf zur\u00fcckzuf\u00fchren, da\u00df der dortige Hof als Hauptacker ein w\u00fcrfelf\u00f6rmiges Landst\u00fcck besa\u00df, etwas Ungew\u00f6hnliches in der Bauerschaft, wo im allgemeinen das Hauptackerst\u00fcck in einem breiten und ziemlich langen Streifen \u00fcber die Flur ging.<br \/>Der Dobbelhoff in Bokel war urspr\u00fcnglich Eigentum der Grafen von Oldenburg und an die Edelherren von Hastorpe zu Lehen ausgetan. Die Bauern und ihre Kinder waren unfrei (eigenbeh\u00f6rig), konnten von dem Grundherrn zu knechtischen Diensten herangezogen, von ihm vertauscht oder verkauft werden. Im Jahre 1267 \u00fcbertrug Hermann von Hastorpe die eigenbeh\u00f6rige Aleid Dobelere aus Bokel mitsamt ihren Kindern dem Kloster Bersenbr\u00fcck. Das Kloster erwarb 1333 auch den Hof Dobbelhoff, der seither Klostereigentum geblieben ist. Unter den \u00bbClosterluden to bersenbruck\u00ab wird 1441 <em>Ludeken to dobelhove<\/em> erw\u00e4hnt, der keine Bede (Steuer) zu zahlen hatte.<br \/>Die von dem Hofe zu leistenden Abgaben betrugen um 1500:<br \/>a) an den Grundherrn: 4 Malter Roggen, 6 Malter Hafer, 1 Schilling Rente, 1 Eimer Butter,<br \/>b) an den Landesherrn: 6 Schilling Herbstschatz, 3 Schilling Lichtmessbede,\u00a0 2 Schillinge Rindergeld, 8 Schillinge Rodenhafer (auch Hundehafer genannt), 1 Schaf.<br \/>Hinzu kamen noch die Abgaben an die Pfarrkirche zu Ankum, an den Gografen und den Vogt. Der Hof, 1657 als \u00bbDobbelhoff\u00ab erw\u00e4hnt, war als Vollerbe in der Gomark (Oberholzgrafschaft des Klosters Bersenbr\u00fcck) mit einer vollen Ware berechtigt und durfte 27 Schafe zur Weide eintreiben.<br \/>Um 1680 \u00fcbernahm Johann Dobbelhoff den Hof in Bokel und verheiratete sich mit Anna auf Lage. Im Jahre 1694 wurde dem Ehepaare ein Sohn Johann Henrich geboren, bei dem es sich aber nicht um den k\u00fcnftigen Anerben und Nachfolger des Bauern handelte.<br \/>Das Anerbenrecht wurde im Osnabr\u00fccker Nordlande unterschiedlich gehandhabt und war oft von Bauerschaft zu Bauerschaft verschieden. Bei eigenbeh\u00f6rigen H\u00f6fen wurde es aber meistens zu Gunsten des j\u00fcngsten Sohnes angewandt. Die anderen Kinder erhielten eine \u00bbbillige Abfindung\u00ab, damit der Hof in seinem Bestande nicht gef\u00e4hrdet wurde und mussten sich anderweitig ihr Auskommen suchen.<br \/>So war es auch mit Johann Henrich Dobbelhoff. Aus der pers\u00f6nlichen Gebundenheit durch die Eigenbeh\u00f6rigkeit entsprang die Verpflichtung, dass S\u00f6hne und T\u00f6chter, die den elterlichen Hof verliessen, sich aus der H\u00f6rigkeit durch eine Geldsumme befreien mussten. Da Freik\u00e4ufe meistens dann erforderlich wurden, wenn eine Tochter oder ein abgehender Sohn auf eine andere St\u00e4tte heiratete, wurden Freilassung und Eheschlie\u00dfung in der Volksanschauung nach und nach gleich gesetzt. Im Plattdeutschen unserer Heimat bedeutet daher heute noch \u00bbfreien\u00ab dasselbe wie \u00bbum einander werben\u00ab.<br \/>Johann Henrich Dobbelhoff befreite sich also aus der Eigenbeh\u00f6rigkeit und verheirate sich 1729 mit Anna Margarete Reilmann. Das Ehepaar pachtete (\u00bbheuerte\u00ab) von den Herren von Hammerstein auf Gut Loxten das Vollerbe Lange in Suttrup, das zu dieser Zeit unbewohnt und unbewirtschaftet war.<br \/>Es war damals \u00fcblich, dass abgehende S\u00f6hne den ersten Silben ihres Familiennamens die Endung \u00bb-mann\u00ab anh\u00e4ngten, um damit auszudr\u00fccken, da\u00df sie zwar von einem bestimmten Hofe stammten, aber keine Besitzer, sondern abgegangene S\u00f6hne waren. So nannte sich im vorliegenden Falle Johann Henrich nicht mehr Dobbelhoff, sondern Dobbelmann oder Dobelmann. <br \/>Erstmalig erscheint dieser Name 1766 im Ankumer Sterberegister mit \u00bbJohan Henrich Dobbelman oder Dobbelhoff\u00ab. Seither hie\u00df dieser Zweig der Familie Dobelmann, w\u00e4hrend die Bauern auf dem Hofe in Bokel den urspr\u00fcnglichen Namen weiterf\u00fchrten. <br \/>Um 1760 \u00fcbernahm der 1831 geborene Johann Gerd Dobelmann, verheiratet mit Anna Katharina Margarete Middendorf, von seinem Vater den Hof Lange in Suttrup. 1761 wird \u00bbJohan Gerdt Dobelmann auf Langen Erbe\u00ab, 1788 \u00bbder Heuermann auf Lange Erbe in Suttrup, Gerdt Dobelmann\u00ab und 1792 \u00bbDobelmann auf Langen Erbe\u00ab erw\u00e4hnt.<br \/>Der 1762 geborene Sohn Johann Heinrich Dobelmann \u00fcbernahm nicht die Pachtung des Hofes Lange, sondern heiratete 1786 auf den Markkotten Hoffmann (1690 Johann Hoff) in Suttrup. Er hie\u00df seither \u00bbCol. Hoffmann sive Dobelmann\u00ab (1791) und erscheint 1792 als \u00bbJohan Hinrich Dobelmann auf Hoffmann\u00ab. Da seine Frau bereits 1794 verstarb, verheiratete er sich zum zweiten Male.<br \/>Der Markkotten Hoffmann ging in der Erbfolge an den Sohn aus erster Ehe \u00fcber. Der in der zweiten Ehe 1795 geborene Sohn Johann Gerhard Heinrich Dobelmann verheiratete sich 1826 mit Lucia Elisabeth Br\u00f6mlage und bezog als Heuermann eine H\u00e4lfte der Leibzucht des Erbkottens Br\u00f6mlage in Suttrup. Auf Grund der Herkunft vom Markkotten Hoffmann wurden er und seine Nachkommen im Volksmunde (bis auf den heutigen Tag) auch \u00bbHofer\u00ab genannt.<br \/>Um 1835 \u00fcbernahm Johann Gerhard Heinrich Dobelmann als Heuermann (P\u00e4chter) den Markkotten Gr. Meese in Suttrup, gab ihn aber nach einigen Jahrzehnten wieder auf. Er wurde nun Heuermann auf dem Markkotten Vissmann in Suttrup, wo er neben der Landwirtschaft eine Schenkwirtschaft unterhielt. 1859 wird der \u00bbSchenkwirth Gerd Heinrich Dobelmann auf Fissen\u00ab erw\u00e4hnt.<br \/>Sein 1843 geborener Sohn Johann Gerhard Wilhelm Dobelmann blieb nicht auf dem Markkotten Vissmann. Als er sich 1874 mit Anna Maria Gramann verheiratete, siedelte er in ein dem Gute Loxten geh\u00f6rendes Doppelheuerhaus, n\u00f6rdlich der Landstra\u00dfe Nortrup-Vehs, \u00fcber. <br \/>Von seinen drei S\u00f6hnen \u00fcbernahm der \u00e4lteste eine Heuerstelle in Nortrup, der j\u00fcngste die v\u00e4terliche Heuerstelle in Suttrup. Der mittlere wurde in M\u00fcnster sesshaft. Sein Nachkomme ist der Verfasser dieses Aufsatzes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Bauernsohn wird Heuermann Die Bauerschaft Bokel ist wahrscheinlich in nachfr\u00e4nkischer Zeit (nach 800) entstanden. 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